Wir sind hier um zu lernen

Rennbericht RedBull MotoGP Rookies Cup 01: 04./05.05.2019 //Circuito de Jerez

Phillip Tonn aus Neukirchen ist im internationalen Motorradgeschehen angekommen. Als einziger deutscher Starter wurde er zum Red Bull Rookies Cup eingeladen und zeigte am Wochenende in Jerez (Spanien) sein aktuelles Können. „Es war schwer. Die vielen Eindrücke und Emotionen waren schon wahnsinnig viel für Phillip“, erklärt sein Trainer und Mentor Dirk Heidolf, der den 13-jährigen begleitet.
Das Nachwuchstalent fährt dabei eine KTM RC250R mit 53PS. „Er ist einfach noch zu klein und zu leicht für das Bike, das haben wir deutlich gemerkt.“ Mit 12 Kilo Zusatzgewichten wurde die KTM samt Fahrer auf Mindestgewicht gebracht. Auch Tonn hatte damit noch zu kämpfen: „Es fällt mir schwer, die Linie auf der Strecke zu halten, weil das Motorrad ausbricht. Damit fehlt mir dann der Windschatten.“ Insgesamt waren 16 Rennrunden zu je 4,4 km zu bewältigen, 22 internationale Fahrer standen am Start.

Zum Rennen am Samstag siegte noch die Nervosität: „Den Start hab ich ganz schön verhauen“, resümierte der Neukirchner nach der Zieleinfahrt. „Beim zweiten Rennen, am Sonntag, war ich schon ruhiger. Damit lief alles entspannter.“ So wich die anfängliche Enttäuschung einem neuen Zielbewusstsein. „Mit einem 19. und einem 18. Platz sind wir noch ein Stück von den Punkterängen entfernt. 

Da gilt es jetzt, anzusetzen und uns hinzuarbeiten“, setzt Heidolf neue Ziele. „Die Differenz zu den anderen Jungs wird geringer, Phillip braucht aber ganz klar noch Fahrpraxis. Er war der einzige im Feld, der noch nie ein Moto3-Rennen bestritten hat.“ Die Konkurrenz fährt parallel zum Red Bull Rookies Cup u.a. im European Talent Cup und der Junioren WM. „Wir müssen jetzt ganz viel fahren, um die KTM besser zu verstehen und Konstanz zu schaffen. Aber wir sind schließlich hier, um zu lernen“, so Heidolf. „Speziell die Richtungswechsel bei über 160 km/h sind noch eine Aufgabe. Das ist nicht zu unterschätzen, was da vom Fahrer verlangt wird.“
Zuerst geht es aber zurück in die Schule. „Streckensprache ist Englisch, ich muss auch nach jedem Turn zum Mechaniker und alles erklären. Mal schauen, wie das die Englischzensur in der Schule aufbessert“, erzählt Tonn augenzwinkernd.
Das nächste Rennen steht am 1.6. in Mugello (Italien) auf dem Plan. Dirk Heidolf hat dazu auch schon einen Trainingsplan für seinen Schützling aufgestellt: „Er muss jetzt Playstation spielen bis zum Umfallen.“ Das nimmt der Nachwuchsrennfahrer natürlich gern an. „Die Strecke ist eine der schwierigsten im Kalender – sehr viele Richtungswechsel, Berg hoch und runter, blinde Kurven – da muss man vorbereitet sein.“ Und mit Rennspielen auf der Konsole üben schließlich selbst die Fahrer der MotoGP noch immer die Streckenführung.

Text: Anja Meyer, Foto: Gold & Goose/Red Bull Content Pool

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